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DIE 47 RONIN

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EINLEITUNG / VORWORT: Der Begriff "Ronin"

Als Ronin bezeichnete man herrenlose Samurai, die beispielsweise von ihrem Herrn verstoßen wurden oder die Niederlage ihres Clans überlebten und fliehen mussten. Diese "Herrenlosen" zogen vor allem während der blutigen Sengoku-Periode im 15. und 16. Jahrhundert durch das Land. Zahlreiche Clans löschten sich gegenseitig aus und den überlebenden Samurai blieb oft nichts anderes übrig, als umherzuziehen und sich irgendwie ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Oft ließen sie sich als Söldner anwerben oder schlossen sich Räuberbanden an, die Angst und Schrecken unter der einfachen Landbevölkerung verbreiteten.
Es gibt aber auch Erzählungen von guten und heldenhaften Ronin, die den Unterdrückten und Schwachen zur Seite standen.



 

Die 47 Ronin47 RONIN

Jedes Kind in Japan kennt die Geschichte der 47 Ronin. Noch heute wird das Andenken dieser treuen 47 Männer in Ehren gehalten. Sie sind ein Musterbeispiel für Loyalität und Treue der Samurai.


Während der Tokugawa-Periode sollten die Provinzfürsten alle fünf Jahre in die Hauptstadt Edo kommen und mindestens ein halbes Jahr am Hof des Shogun anwesend sein. Auf diese Weise konnte der Shogun, seine Lehensherren besser kontrollieren. Intrigen und Mordanschläge waren in dieser Zeit keine Seltenheit. Asano Naganori (1667 - 1701), Daimyo der Harima-Provinz, sollte als kaiserlicher Vertreter am Hofe des Shogun in Edo eine Zeremonie durchführen. Da er sich damit nicht gut auskannte, ließ er sich von Kira Yoshinaka beraten. Dieser sollte ihm zeigen, wie er sich bei der Zeremonie verhalten und welche Kleidung er tragen sollte. Jedoch ließ Kira den ahnungslosen Asano die Zeremonie in den völlig falschen Kleidern durchführen, was ihn vor den anwesenden Daimyo blamierte. Als Asano diese Beleidigung anhand der Reaktionen der Daimyo erkannte, zog er wütend sein Kurzschwert, das Wakizashi (das lange Katana durfte in diesen Räumen nicht getragen werden) und griff Kira an, wobei er ihn an der Stirn verletzte. Die anwesenden Fürsten und Wachen konnten beide trennen und den Kampf beenden. Es war es ein schweres Vergehen, am kaiserlichen Hofe sein Schwert zu ziehen. Dem Shogun blieb nur eine Entscheidung, er forderte Asano Naganori auf , Seppuko zu begehen. Am 21. April 1701 mußte sich Fürst Asano Naganori selbst töten. Sein Sekundant, der Kaishakunin, war Oishi Yoshio, sein treuester Samurai. Kaishaku bedeutet soviel wie "beistehen". Der Kaishakunin ist beim Seppuko, meist ein Freund oder ein guter Kamerad. Er hat die Aufgabe, denjenigen, der sich selbst das Schwert in den Bauch stößt, mit einem einzigen Schlag zu enthaupten. Oishi Yoshio schwor Rache. 46 weitere Gefolgsleute schlossen sich an. Das Seppuko, mit dem sie ihrem Herrn in den Tod hätten folgen müssen, wurde ihnen vom Shogun untersagt.
So wurden sie zu Ronin, herrenlosen Samurai. Ihr einziges Ziel war an Kira Yoshinaka Rache zu üben. Kiras Haus in Edo war gut bewacht. So schmiedete Oishi einen Plan... Mittellos verbrachten die 47 Ronin die folgenden Monate in Armut als "Landstreicher", die sich dem Alkohol und dem Glücksspiel hingaben. Sie taten alles, um in der Öffentlichkeit verwahrlost und unehrenhaft zu wirken. Oishi verließ sogar seine Frau. Ein guter Freund Oishis kam eines Tages zu ihm und wollte ihn zur Besinnung bringen. Er appellierte an seine Samurai-Ehre und sagte, er solle sein Schwert zeigen. Doch Oishi war betrunken und sein Schwert in schlechtem Zustand, was für einen wahren Samurai eine Schande bedeutete. Alle waren davon überzeugt, dass die 47 Ronin nur noch Säufer waren, die den Weg des Bushido verlassen hatten. Fast zwei Jahre nach dem Selbstmord von Asano Naganori, in einer stürmischen Nacht im Dezember 1702, zogen die Ronin in selbstgefertigten Rüstungen zu Kiras Haus, um nun endlich ihren Racheschwur in die Tat umzusetzen. Nachdem das Tor mit einem Vorschlaghammer aufgebrochen war, stürmten sie die Privatgemächer. Drei seiner Samurai konnten die Angreifer für einige Zeit aufhalten ehe sie starben. Kira hatte sich inzwischen in einem Kohlenhaus versteckt. Als man ihn fand gab er vor, nur ein Diener zu sein. Doch Oishi erkannte ihn an der Narbe auf der Stirn. Er forderte Kira auf, ehrenvoll durch Seppuko zu sterben. Doch er war zu feige und so schlug Oishi ihm den Kopf ab. Das tat er mit dem Wakizashi, mit dem sein Herr damals Seppuko begehen mußte. Bei dem Angriff hatte nur einer der 47 Ronin sein Leben verloren. Nun zogen 46 blutüberströmte Männer mit Kiras Kopf durch Edo zum südlichen Stadtteil Takanawa, wo sie den Kopf neben das Grab ihres Herren in der buddhistischen Tempelanlage Sengaku-Ji legten. Die Einwohner Edos empfanden größte Hochachtung für die Samurai, die ihrem toten Herrn treu geblieben waren. Wenig später begingen sie im Sengaku-Ji gemeinsam Seppuko.

 

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