Seppuku, der rituelle Selbstmord
Durch Seppuku (Bauchaufschneiden), den rituellen Selbstmord, konnte ein Samurai seine Ehre wahren.
Der Begriff Harakiri (hara, Bauch, und kiru, schneiden – umgekehrte Reihenfolge der Kanji-Schriftzeichen) ist ein umgangssprachlicher Ausdruck, der vor allem in Europa und Amerika benutzt wird. Er beschreibt nur einen Teil des Rituals, und eine Verwendung in Bezug auf eine Selbsttötung kann als Beleidigung empfunden werden. Die richtige Bezeichnung lautet eigentlich Hara-wo-kiri, wurde aber später von den Europäern Harakiri ausgesprochen.
Den Bauch schnitt man auf, weil er im Buddhismus als der eigentliche Sitz der Seele gilt und diese wurde in diesem letzten Akt freigelegt. Dieses Ritual wurde wahrscheinlich das erste Mal im 12. Jahrhundert, von Minamoto Tametomo, nach einer verlorenen Schlacht, vollzogen. Ein Samurai beging aus unterschiedlichen Gründen Harakiri, etwa um einer Gefangennahme durch den Feind zu entgehen oder um seinem Herrn in den Tod zu folgen. Dies galt als Zeichen höchster Loyalität. Außerdem gab es diese Form der Selbsttötung auch als letzten Protest gegen eine Entscheidung des Herrn. Später wurde Harakiri auch als würdige Todesstrafe für Samurai verordnet.
Es ist wohl klar, das Seppuku mit unerträglichen Schmerzen verbunden war. In einem festgelegten Ritual schnitt sich das Opfer den Bauch von links nach rechts auf. Hatte der Selbstmörder genug Mut bewiesen, wurde er nach dem ersten Schnitt von einem Helfer mit einem einzigen Schwerthieb enthauptet. Obwohl dieser Gnadenstoß für das Opfer eine Erlösung war, forderte das Seppuku außerordentliche Selbstdisziplin. Dieses Aufschlitzen war derart unmenschlich, dass die Zeremonie später "erleichtert" wurde und sich das Opfer "nur" in das Schwert hineinstürzen musste.
Auch für die Frauen und Kinder der Samurai galt es, sich einer drohenden Gefangennahme und der damit verbundenen Demütigung, sofern sie sich überwinden konnten, durch Selbstmord zu entziehen.
Manchmal nahm die ehrenvolle Selbsttötung auch recht seltsame Formen an.
Eine Legende erzählt von Togo Shigechika, einem sagenumwobenem Samurai, der sich nach dem erfolglosen Versuch eine Burg zu erobern, in voller Rüstung auf seinem Pferd lebendig begraben ließ und seinen Feinden Rache schwor.
Im Jahre 1868 wurde der rituelle Selbstmord offiziell verboten.













